Geht es um eine Qualifizierung oder ein Beratungsangebot zur Selbstständigkeit?
Wollt ihr Fragen rund um das Selbstständigsein klären, also zum Beispiel Tipps für die Buchhaltung oder Informationen zur Renten- und Krankenversicherung bekommen?
Wollt ihr Fragen rund um das Selbstständigsein klären, also zum Beispiel Tipps für die Buchhaltung oder Informationen zur Renten- und Krankenversicherung bekommen?
Ihr werdet bei einer Recherche auch auf viele kommerzielle Angebote stoßen, denn die Solo-Selbstständigen sind längst als Zielgruppe von entsprechenden Anbietern entdeckt worden.
Am einfachsten sind die dezidiert offenen Dienstleistungsangebote zu erkennen, wie zum Beispiel firma.de. Bei selbststaendig.de wird es schon schwieriger, da bekommt ihr eine Menge Infos, wenn es dann konkreter wird, werdet ihr an kommerzielle Vermittler von Versicherungen weitergeleitet.
Ein weiteres Beispiel ist der Verband der Gründer und Selbstständigen (VGSD): Der Verband wirbt für sich als Lobby und Interessenvertretung von „Gründern, Selbstständigen und kleinen Unternehmen“ (mehr).
Der VGSD hat knapp 6.000 Mitglieder und spricht auf den ersten Blick dieselbe Zielgruppe an wie die Selbstständigen in ver.di, die rund 30.000 Mitglieder vertreten. Bei den Angeboten des Verbands geht es darum, wie der Umsatz gesteigert oder das eigene Geschäftsmodell (oder die Person) optimiert werden kann. Es stehen häufig die individuellen Ziele im Vordergrund: „Als Kleinunternehmer zum großen Erfolg“, „Verkaufen heißt zuhören – So fragen Sie sich zum Auftrag“ sind beispielsweise Titel von Publikationen, die ihr beim VDSG erwerben könnt.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass bei den Formaten, die der VDSG anbietet, die Grenze zu kommerziellen Angeboten fließend ist.
ver.di betont das solidarische Miteinander, sieht Selbstständige weniger als in Konkurrenz stehende Marktteilnehmende, sondern als Gruppe, die gemeinsam die Bedingungen für alle Solo-Selbstständigen verbessern kann.
Die Selbstständigen in ver.di machen das Angebot, sich zu organisieren und zu beteiligen und sich so innerhalb der Organisation ver.di und nach außen für die Belange Solo-Selbstständiger einzusetzen.
Es gibt aber auch jede Menge Informations- und Beratungsangebote: Ein übersichtlich gegliederter und umfangreicher Online-Ratgeber beantwortet eure Fragen rund um die Solo-Selbstständigkeit. Er beinhaltet unter anderem gut verständliche Leitfäden zu Statusfragen, Steuern und Versicherungen. Die Informationen sind gut aufeinander abgestimmt und der Ratgeber wird ständig aktualisiert. Für ver.di-Mitglieder ist er kostenlos. Zielgruppe sind alle Solo-Selbstständigen. Daher gibt es zusätzlich ein individuelles Beratungsangebot zu spezielleren Fragen einzelner Berufe. Auch zu sozialversicherungsrechtlichen Themen gibt es persönliche Beratungsangebote von spezialisierten Kolleg*innen. Das ist kostenfrei für Mitglieder, alle anderen zahlen 15 € pro angefangene Viertelstunde.
Zurück zum Thema Buchhaltung: Wie wirtschaftlich interessant der Bereich der Solo-Selbstständigen geworden ist, sieht man zum Beispiel an einem Angebot der Lexware GmbH, die kaufmännische Software für Selbstständige entwickelt: Unter lexfree.de findet sich eine hip gestaltete Plattform („Hey! Schön, dass du da bist.“), die nicht nur mit Geschichten und Ratschlägen Beratungswillige wirbt, sondern auch Vernetzung fördern möchte.

Manchmal überschneiden sich die Weiterbildungen zu einem bestimmten Thema inhaltlich mit denen zur Selbstständigkeit: Zum Beispiel, wenn sich eine Journalistin gerade selbstständig gemacht hat und sich fragt, wie diese Leistung vermarktet werden kann. Viele Solo-Selbstständige stehen vor der Frage, wie das eigene Angebot Kundschaft findet, aber für jeden Bereich läuft es ein bisschen unterschiedlich. Daher kann es sinnvoll sein, ein Angebot zu suchen, das branchenspezifisch ist. Hier ein Beispiel.
Fazit: Für die Internetrecherche nach Weiterbildungen ist wichtig, was generell gilt, wenn man im Netz unterwegs ist – immer danach zu schauen, wer jeweils hinter den Angeboten steht.
Die Frage, ob es sinnvoll ist, eine Weiterbildung zu machen, an deren Ende ein Zertifikat steht, lässt sich nicht so einfach beantworten: Es kommt darauf an.*
In traditionellen Berufen wie sie Tischler*innen oder Lehrer*innen an öffentlichen Schulen ausüben, ist die Frage nach dem Nachweis einer Qualifikation schnell beantwortet: Es gibt festgelegte Vorgaben zur Ausbildung. In vielen Arbeitsbereichen, in denen Solo-Selbstständige unterwegs sind, ist das anders: Jede*r kann sich Übersetzer*in, Mediator*in oder Segellehrer*in nennen. In diesen und vielen weiteren Tätigkeitsbereichen könnt ihr zertifizierte Ausbildungen machen, die euren potenziellen Auftraggeber*innen signalisieren, dass ihr qualifiziert für den Job seid.
„… das sieht natürlich auch gut aus auf meiner Webseite.“
Frank, solo-selbstständig in Berlin
Zertifikate haben keinen genau zu beziffernden Wert. In manchen Bereichen steigt mit einem Zertifikat die Wahrscheinlichkeit, Aufträge zu bekommen.
„Zertifikate können bei der Akquise nützlich sein, davon abgesehen haben sie für meine Arbeit keine Bedeutung.“
Rainer, solo-selbständig in Schauenburg
Was genau Zertifikate nachweisen, ist formal klar, zum Beispiel soundsoviele Stunden mit den und den Themen plus möglicherweise eine Prüfung, in der das Gelernte nachgewiesen werden muss. Was es kompliziert macht, ist, dass es in vielen Bereichen unterschiedliche Zertifikate von unterschiedlichen Anbietern gibt. Manchmal bilden sich auf dem Weiterbildungsmarkt Zertifikate heraus, die anerkannter sind als andere. Ihr könnt zum Beispiel den Anbieter nehmen, der euch durch Größe, Erfahrung und (unabhängiges) Teilnehmenden-Feedback überzeugt. Oder euch für ein Zertifikat entscheiden, dass von möglichst vielen Verbänden anerkannt wird. Um eine Recherche kommt ihr auf jeden Fall nicht herum. Gespräche mit Kolleg*innen, die bereits ein Zertifikat erworben haben oder das gleiche planen wie ihr, können natürlich auch zur Entscheidungsfindung beitragen.
Beispiel Mediation: Die Anforderungen an die Ausbildung sind in einer Rechtsverordnung festgelegt. Es ist also gesetzlich geregelt, wer sich als zertifizierte*r Mediator*in bezeichnen darf. Für die Zertifikate selbst gibt es keine übergeordnete Stelle. Die Anbieter vergeben jeweils eigene Zertifikate oder schließen sich Verbänden an, die die Zertifizierung vereinheitlichen.
Natürlich geht es für die Anbieter auch darum, Geld zu verdienen; die Vergabe von Zertifikaten, eine Lizensierung nach bestimmten Vorgaben oder für einen bestimmten Zeitraum ist auch ein Geschäftsmodell.
Die Motivation, eine Weiterbildung zu machen, ist ganz unterschiedlich: Manchmal geht es darum, etwas für sich persönlich zu tun, dann spielt das Zertifikat vielleicht gar keine Rolle.
„Ehrlich gesagt haben die Zertifikate kurzfristig für meine Solo-Selbstständigkeit nichts gebracht – aber für mich persönlich: Ich weiß jetzt, wie ich mich weiterentwickeln will“
Annette, solo-selbstständig in Berlin
Auch wenn es darum geht, bestimmte Kompetenzen zu erlangen, um im eigenen Arbeitsbereich sicherer zu werden, ist ein Zertifikat unter Umständen zweitrangig. Orientiert ihr euch aber beruflich neu, kann das richtige Zertifikat ein Türöffner oder sogar Voraussetzung sein.
Wir haben mit ein paar solo-selbstständigen Kolleginnen gesprochen, die Zertifikate erworben haben, aus diesen Gesprächen stammen die Zitate in den Sprechblasen.
Fazit: Recherchiert und fragt Kolleg*innen in euren Arbeitsbereichen, die schon über Zertifikate verfügen, welche Erfahrungen sie gemacht haben.