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Die Frage, wie viel selbstständiges Arbeiten wert ist, hat für Solo-Selbstständige besondere Relevanz, weil ihr (anderes als Arbeitnehmer*innen) den Preis für eure Leistung individuell festlegen – und leider auch manchmal vorgegebene Honorarsätze akzeptieren – müsst. Viele Menschen wissen nicht, dass ihr von den erwirtschafteten Einkünften nicht nur die eigenen Lebenshaltungskosten, Steuern und die laufenden Kosten zur Erhaltung der eigenen Beschäftigungsfähigkeit (z.B. Betriebskosten wie Miete, Material, Weiterbildung etc.) zahlen müsst. Hinzu kommen die Kosten für die obligatorische Krankenversicherung und die Altersvorsorge. Dann sollten die Honorare auch noch die krankheits- oder urlaubsbedingten Ausfallzeiten abdecken. Und schließlich gibt es noch eine ganze Bandbreite an unsichtbaren Arbeiten und Posten: Akquise, Reisekosten, Probezeiten, Vor- und Nachbereitung, Steuerberatungskosten etc. Also all das an projektübergreifenden Aufgaben, die oftmals gar nicht mitgedacht und daher auch nicht eingepreist werden (können). Zwischen Soll- und Ist-Zustand, das wisst ihr selbst zu gut, gibt es also noch eine große Diskrepanz.*

Dabei sind sehr viele Solo-Selbstständige beim Thema Vergütung mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert. Die marktüblich gezahlten Honorare sind in etlichen Branchen schlicht zu niedrig (insbesondere im Kulturbereich, Erwachsenbildung oder bei haushaltsnahen Dienstleistungen). Als Solo-Selbstständige*r höhere Honorare gegenüber Auftraggeber*innen auszuhandeln, ist aufgrund der Machtasymmetrie oftmals äußerst schwierig. Einseitige Absprachen untereinander sind wettbewerbsrechtlich auch in Zukunft untersagt. Öffentliche Auftraggeber*innen, die zu wenig zahlen, verweisen nicht selten auf ihre eigene mangelnde Finanzausstattung durch Länder oder Kommunen. Tarifverträge gibt es nur für arbeitnehmerähnliche Personen und davon nur wenige Beispiele. Auch die wenigen existierenden Honorarempfehlungen sind oft nicht durchsetzbar, weil sie nach wie vor unverbindlich sind.

Politischer Regelungsbedarf besteht also an vielen Ecken und Enden. Wohlgemerkt sind aber Ansatzpunkte diesem Rechnung zu tragen, spätestens seit den Lehren aus der Corona-Krise, zunehmend offensiver. Gewerkschaften und andere Interessenvertretungen sprechen regelmäßig über Konzepte für branchenspezifische Basishonorare und auch auf der EU-Ebene gibt es deutliche Verbesserungen, die nun in nationale Praxis umgesetzt werden müssen. Dennoch herrscht bei den aktuellen branchenspezifischen Honoraren nach wie vor Intransparenz. Die vom HDS initiierte „Initiative für faire Honorare“ hatte sich daher zur Aufgabe gemacht, über die große SO_LOS-Honorarumfrage Licht ins Dunkel zu bringen, die Verhandlungsposition von Solo-Selbstständigen zu stärken und Honorardumping zu beschränken.

Diese und andere strukturellen Schieflagen wirken sich nicht nur auf das kollektive, sondern auch auf das individuelle Handeln aus. Schließlich werden in den wenigsten Ausbildungs- oder Studiengängen die Skills zum unternehmerischen Handeln vermittelt. Wie berechnet man das Honorar? Sind all die oben erwähnten Posten einkalkuliert? Und wie begründet man sie gegenüber Kund*innen? Mit diesem Wiki laden wir euch ein, euch sowohl individuell als auch gemeinsam für faire Honorare und gute, selbstständige Arbeit fit zu machen!

Wir wollen hier nicht unterschlagen, dass es durchaus auch Branchen gibt, in denen Solo-Selbstständige sehr gut verdienen (z. Bsp. im IT-Bereich, teilweise auch im Designbereich, aber auch bei unternehmensnahen, wissensbasierten Dienstleistungen).