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Stress, Befinden und Gesundheit ​

Die angeführten Beispiele zeigen an, dass mit der Selbstständigkeit sowohl eine ganze Reihe positiver, gesundheitsförderlicher und -schützender als auch einige potenziell Stress auslösende und gesundheitsgefährdende Aspekte verbunden sind. Wenn das Verhältnis von Belastungen und Ressourcen stimmt und die Anforderungen der Arbeit bewältigt werden können, trägt Arbeit zu Zufriedenheit, Wohlbefinden und Gesundheit bei. Sie wird dann als gute Arbeit erlebt. Auf ein wahrgenommenes Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen einer Situation und den wahrgenommenen Möglichkeiten, diese zu bewältigen, reagieren Menschen jedoch mit Stresserleben. Stress kann daher in Anlehnung an die Wissenschaftler*innen Zapf und Semmer definiert werden als ein subjektiv unangenehmer Zustand, der aus der Befürchtung entsteht, eine als unangenehm empfundene und Widerstände hervorrufende Situation, nicht ausreichend bewältigen zu können (Zapf/Semmer 2004: 1011).1 Hält dieser Zustand dauerhaft an, kann sich dies negativ auf die Gesundheit auswirken.

Stress umfasst körperliche und emotionale Prozesse, die längerfristig zu psychischen und körperlichen Befindensbeeinträchtigungen und Erkrankungen führen können. Befindensbeeinträchtigungen sind gesundheitlich relevant, stellen aber noch keine Krankheit dar: So sind z. B. depressive Gedanken ernst zu nehmen, auch wenn es sich dabei nicht um eine Depression handelt, die anhand festgelegter Kriterien eines bestimmten Ausmaßes diagnostiziert wird (Zapf/Semmer 2004: 1070).


1 In der arbeitswissenschaftlichen und -psychologischen Stress- und Belastungsforschung gibt es verschiedene Begriffe, Definitionen und Konzepte, um die Wirkung von (Arbeits-)Bedingungen auf das subjektive Erleben, Befinden und die Gesundheit kurz-, mittel- und langfristig zu erklären. Wir beschränken uns hier auf einige grundlegende Begriffe und Erläuterungen, über die in der Forschung weitgehender Konsens besteht.

Erholung und Gesundheit ​

Mit Blick auf die mittel- und langfristigen Wirkungen auf Wohlbefinden und Gesundheit, kommt der Möglichkeit, sich von den Anforderungen der Arbeit bzw. der Ermüdung durch die Anstrengung zu erholen, eine besondere Bedeutung zu: Erholung hat eine vermittelnde Funktion zwischen Stresserleben und Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit (Kottwitz et al. 2019: 154). Sie kompensiert zum einen die tägliche Beanspruchung, der Solo-Selbstständige ausgesetzt sind und ermöglicht es, mit neuer Energie ans Tagwerk zu gehen. Zum anderen beugt Erholung chronischem Stresserleben vor und minimiert den Regenerationsbedarf (Kottwitz et al. 2019: 22).

Für viele Solo-Selbstständige sind Erholungszeiten jedoch nicht einfach umzusetzen: viele Solo-Selbstständige machen keine regelmäßigen Pausen, nehmen sich weniger als einen arbeitsfreien Tag in der Woche und im Durchschnitt nur etwa 22 Tage Urlaub im Jahr und arbeiten zeitweise trotz Krankheit (Fietz/Wilhelm 2021). Wenn jedoch, etwa durch chronischen Stress, keine Erholung möglich ist, können sich anfängliche Befindensbeeinträchtigungen zu schweren Erkrankungen entwickeln.