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Stressoren und Ressourcen ​

Forschungsarbeiten zum Zusammenhang von Arbeit und psychischer Gesundheit haben eine Vielzahl von Arbeitsbedingungen und Faktoren identifiziert, die für Wohlbefinden und Gesundheit bedeutsam sind. Je nach ihrer Beschaffenheit und Ausprägung wirken sie auf arbeitende Personen typischerweise als Stressoren oder Ressourcen.

Stressoren ​

Als Stressoren werden Merkmale der Arbeit und Anforderungen aus der Arbeit bezeichnet, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Stress auslösend und gesundheitsgefährdend wirken (Zapf/Semmer 2004: 1011). Für „Stressoren“ wird auch der Begriff „Belastungen“ benutzt. In der Erwerbsarbeit sind das:

  • Belastungen, die sich aus der Organisation von Arbeitsabläufen und den konkreten Arbeitsinhalten ergeben (arbeitsorganisatorische und aufgabenbezogene Stressoren): Solo-Selbstständige tragen ein besonders hohes Maß an Verantwortung für alle Arbeitsaufgaben wie Akquise, Abrechnung, Kundenkommunikation, Produktgestaltung und vieles mehr, genauso wie auch für den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens.1 Zu typischen Stressoren zählen zudem eine hohe Arbeitsdichte, Arbeiten unter Zeitdruck sowie lange und auch in das Wochenende reichende Arbeitszeiten. Schwierigkeiten die Auftrags- und Terminlage langfristig zu planen und Unsicherheiten, z. B. in steuerlichen und rechtlichen Fragen, gehören ebenfalls dazu.

  • Belastungen, die sich aus zwischenmenschlichen Beziehungen im Arbeitskontext ergeben (soziale Stressoren): Dazu gehören z. B. Konflikte mit Auftraggebenden bzw. Kund*innen, aber auch mit Kolleg*innen oder Zulieferern. Stress kann auch die Notwendigkeit auslösen, eigene Gefühle wie Ärger oder Frustration im Umgang mit Kund*innen verbergen und freundlich bleiben zu müssen, das nennt man auch „emotionale Dissonanz“.

  • Belastungen, die sich aus der Einkommens- und Beschäftigungssituation ergeben: Je nach Beruf, Qualifikation und Marktposition erwirtschaften Solo-Selbstständige ganz unterschiedliche Einkommen. Gemeinsam ist den meisten jedoch, dass das Einkommen – anders als bei abhängig Beschäftigten – schlechter planbar ist. Mögliche finanzielle Sorgen und Existenzängste beziehen sich daher nicht nur auf die Einkommenshöhe, sondern auch auf Einkommensschwankungen und die zukünftige Auftragslage.


1 Die hier exemplarisch angeführten Stressoren und Ressourcen bei Solo-Selbstständigen sind den folgenden Untersuchungen entlehnt und werden in diesen genauer erläutert: Clasen 2009: 37ff., 105ff. sowie Kottwitz et al 2019: 130ff.

Stressoren treten in aller Regel nicht vereinzelt, sondern häufig in bestimmten Kombinationen und komplexen Zusammenhängen auf. Sie wirken zusammen (Rothe et al. 2017: 21). Negative Auswirkungen auf die Gesundheit sind insbesondere dann zu erwarten, wenn ein bestimmtes Ausmaß überschritten wird (ebd.: 22), d. h. die belastenden Umstände intensiv sind und lange anhalten.

Ressourcen ​

Als Ressourcen gelten alle Gegebenheiten oder Mittel, die eine entlastende, kompensatorische bzw. „puffernde“ und stressmindernde, gesundheitsschützende oder -förderliche Wirkung haben. Es handelt sich dabei um Schutzfaktoren: Gemeint sind Möglichkeiten, die einem Menschen zur Verfügung stehen, um mit den verschiedenen Anforderungen umzugehen. Grundlegend werden interne und externe Ressourcen unterschieden (Zapf/Semmer 2004: 1040).

Interne oder personale Ressourcen sind Möglichkeiten, die als Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen in der arbeitenden Person selbst liegen. Das ist neben der fachlichen Kompetenz oder der Berufserfahrung, z. B. die Überzeugung, sich auf die eigenen Fähigkeiten verlassen und auch schwierige Situationen bewältigen zu können (Selbstwirksamkeit).

Externe oder situative Ressourcen sind durch die Arbeits- und Erwerbssituation gegeben und lassen sich unterscheiden in

  • Möglichkeiten, die durch die Art der Arbeit und Arbeitsorganisation sowie die konkreten Rahmenbedingungen gegeben sind (organisationale1/organisatorische Ressourcen): Dazu zählen insbesondere die, für die Selbstständigkeit typischen Handlungs- und Gestaltungsspielräume (Autonomie/Selbstbestimmung) in inhaltlicher, methodischer sowie zeitlicher Hinsicht. Das meint zum Beispiel, selbst zu entscheiden, welcher Auftrag angenommen und wie das Produkt bearbeitet wird sowie die Arbeitszeiten festzulegen. Auch die typischerweise vielfältigen und abwechslungsreichen Aufgaben gehören dazu.

  • Möglichkeiten, die durch soziale Beziehungen und Netzwerke gegeben sind (soziale Ressourcen): Mit beruflichen Netzwerken ist vor allem die Möglichkeit verbunden, von Kolleg*innen unterstützt zu werden, etwa in fachlicher Hinsicht oder durch das Teilen von Informationen. Auch eine gute Zusammenarbeit mit und Wertschätzung durch Auftraggebende bzw. Kund*innen ist eine wichtige soziale Ressource.

  • Verfügbare finanzielle bzw. materielle Mittel (finanzielle Ressourcen): Gerade mit Blick auf das unregelmäßige Einkommen von Selbstständigen im Vergleich zu abhängig Beschäftigten können finanzielle Rücklagen buchstäblich „puffernd“ wirken, um eine schlechte Auftragslage zu überbrücken.


1 Von organisationalen Ressourcen wird gesprochen, da die Arbeitsbedingungen – dies gilt natürlich insbesondere für abhängig Beschäftigte und arbeitnehmerähnliche Personen – durch die Organisation bzw. das Unternehmen gestaltet werden.

Ihre gesundheitsschützende und -förderliche Wirkung entfalten Ressourcen, wenn sie in ausreichendem Maße vorhanden sind und von der Person genutzt werden können. Es versteht sich von selbst, dass nicht jede Ressource für jeden Stressor geeignet ist, sondern zur stressauslösenden Situation passen muss. Zudem büßen auch Ressourcen an Wirksamkeit ein, wenn ein bestimmtes Ausmaß an Belastung überschritten wird (Rothe et al 2017: 22).